Auch - und gerade - Ehegatten ohne Kinder sollten ein Testament haben

Publiziert am 22.08.2019

Eheleute, die keine Kinder haben, glauben zuweilen, ihre Erbfolge nicht durch ein Testament regeln zu müssen, weil nach dem Tod eines Ehepartners der überlebende Ehepartner ohnehin alles erbt. Diese Annahme ist jedoch häufig nicht zutreffend

Wenn kein Testament vorliegt, dann tritt im Erbfall automatisch die in den §§ 1924ff BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) geregelte gesetzliche Erbfolge.
Die gesetzliche Erbfolge bestimmt den überlebenden Ehepartner in aller Regel zusammen mit den Kindern zum Erben. Wenn der verstorbene Ehegatte keine Kinder haben sollte, sieht die gesetzliche Erbfolge vor, dass neben dem Ehepartner als gesetzliche Erben die Eltern bzw. deren Abkömmlinge in Frage kommen.
Lebten zum Zeitpunkt des Todes des Ehepartners also noch dessen Eltern bzw. Brüder oder Schwestern des Verstorbenen oder deren Abkömmlinge, dann erhalten diese Verwandte des verstorbenen Ehepartners als so genannte Erben zweiter Ordnung nach § 1931 BGB grundsätzlich die Hälfte des Nachlasses.
Lebten die Ehegatten mit dem Güterstand der Zugewinngemeinschaft nach § 1371 BGB, so wird der Erbteil des Ehegatten nochmals um ein Viertel erhöht.
Es verbleibt also in jedem Fall dabei, dass der überlebende Ehepartner bei Vorhandensein naher Verwandter des verstorbenen Ehepartners nicht alleine über den Nachlass verfügen darf und kann.
Mit vorhandenen Eltern, Geschwistern, Neffen oder Nichten bildet der überlebende Ehepartner in diesem Fall vielmehr kraft Gesetz eine so genannte Erbengemeinschaft.
Aufgabe des überlebenden Ehepartners – und der weiteren gesetzlichen Erben – ist es in diesem Fall, die bestehende Erbengemeinschaft auseinander zu setzen. Das bedeutet, dass der Nachlass zwischen den Erben aufgeteilt werden muss.
Schwierig kann die Lage für den überlebenden Ehepartner in so einem Fall dann werden, wenn zum Nachlass zum Beispiel der Familienwohnsitz gehört, den der überlebende Ehepartner eigentlich bis zu seinem Lebensende zu Wohnzwecken nutzen wollte.
Nachdem aber den weiteren gesetzlichen Erben an dieser Immobilie kraft Erbrecht ebenfalls ein Anteil zusteht, muss sich der überlebende Ehepartner zwangsläufig mit den weiteren gesetzlichen Erben einigen, wenn er die Immobilie weiter alleine nutzen will.
Empfehlung: Testament verfassen
Wenn es also dem Wunsch der Eheleute entspricht, sich gegenseitig für den Todesfall das komplette Vermögen (oder auch bestimmte Teile davon) zukommen zu lassen, dann sollte das, auch wenn keine Kinder vorhanden sind , in einem Testament niedergeschrieben werden.
Dazu können die Eheleute auch ein gemeinsames Testament zu verfassen. Hierfür ist es ausreichend, wenn ein Ehepartner das Testament eigenhändig verfasst und der andere Ehepartner das Geschriebene mit unterzeichnet.
Genauso gut können Eheleute ihre Erbfolge in zwei separaten Einzeltestamenten regeln. Solche Einzeltestamente haben immer den Vorteil, dass sie jederzeit und ohne den Partner zu fragen geändert oder widerrufen werden können.
Selbstverständlich steht Ihnen Florentz und Partner für alle rechtlichen und steuerlichen Fragen in diesem Zusammenhang gerne zur Verfügung.


Stand August 2019

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