Gestaltungsmöglichkeiten für Kapitaleinkünfte im Vorfeld der Abgeltungsteuer

Publiziert am 04.03.2008

Im Rahmen des Unternehmensteuergesetzes 2008 wurde die Besteuerung der Kapitaleinkünfte von Privatanlegern völlig neu geregelt. Im Wesentlichen umfasst diese Neuregelung zwei Bereiche: Die laufenden Einkünfte und die Veräußerungsgewinne. Die laufenden Kapitaleinkünfte werden ab 2009 nicht mehr wie bisher mit dem individuellen Steuersatz – der abhängig von der Höhe der gesamten Einkünfte bis zu 45 % beträgt – besteuert, sondern unterliegen einer pauschalen Abgeltungsteuer von 25% zuzüglich Soli und Kirchensteuer. Gewinne aus dem Verkauf von Wertpapieren sind künftig nicht mehr steuerfrei sondern unterliegen ebenfalls der 25 %igen Abgeltungsteuer. Im Vorfeld der neuen Abgeltungssteuer ergeben sich eine Reihe von Gestaltungsmöglichkeiten

Generell bedeutet diese Neuregelung eine Verschlechterung für Aktienanleger. Für Zinseinkünfte hingegen ist die neue Abgeltungsteuer zumindest bei Gutverdienern von Vorteil.

Das neue Recht gilt ab 2009 und die Zeit bis dahin kann noch für Gestaltungen genutzt werden, die die Vorteile des alten und des neuen Rechts verbinden.

Verlagerung von Zinseinkünften:
Liegt der persönliche Einkommensteuersatz über der künftigen Abgeltungsteuer von 25 %, so ist es vorteilhaft, Zinserträge in das Jahr 2009 oder auf spätere Jahre zu verschieben. Das ist z.B. möglich mit Wertpapieren, bei denen die Zinsen nicht jährlich, sondern erst am Ende der Laufzeit ausgezahlt werden, wie den Bundesschatzbriefen Typ B. Oder mit abgezinsten Wertpapieren, wie den Finanzierungsschätzen des Bundes oder Null-Kupon-Anleihen.
Auch niedrig verzinsliche Anleihen bringen hier noch Vorteile, wenn sie vor 2009 erworben werden.

Kauf von Aktien und Fondsanteilen vor 2009:
Veräußerungsgewinne von Aktien oder Anteilen an offenen Fonds, die vor dem 1.1.2009 erworben wurden, bleiben – sofern die Veräußerung nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist erfolgt – auch nach 2009 steuerfrei.
Anteile an thesaurierenden Fonds bringen noch den weiteren Vorteil mit sich, dass innerhalb des Fonds erzielte Veräußerungsgewinn weiterhin steuerfrei bleiben. Auch Gewinne eines Dachfonds aus der Veräußerung von Unterfonds bleiben unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei. Dachfonds gewinnen damit eine neue Attraktivität. Vor allem empfiehlt es sich, geplante Umstrukturierungen und Erwerbe von Aktien und Fonds noch vor 2009 vorzunehmen. Veräußerungsgewinne daraus sind dann auch noch nach 2009 steuerfrei.

Depottrennung:
Bei der Veräußerung von gleichartigen Wertpapieren aus einem Depot gilt das sog. Fifo-Prinzip (First-in-first-out). D.h. es wird unterstellt, dass die zuerst angeschafften Wirtschaftgüter zuerst verkauft werden.
Um bei Verkäufen nach 2009 selbst wählen zu können, ob vor 2009 angeschaffte Alt-Anteile oder nach 2008 angeschaffte Neu-Anteile als veräußert gelten, sollten Altbestände in einem gesonderten Depot geführt werden und auch bei bestehenden Fonds-Sparplänen sollten Zugänge ab 2009 auf ein neues Depot erfolgen.

Kauf von Zertifikaten bis Juni 2008:
Keine neue Steuer ohne Sonderregelung: Zertifikate ohne Kapitalgarantie, die nach dem 14.03.2007 erworben wurden, können nur noch bis zum 30.6.2009 steuerfrei verkauft werden. Da auch hier die einjährige Spekulationsfrist überschritten werden muss, ist es nur noch für einen kurzen Zeitraum möglich in Zertifikaten anzulegen, bei denen Kursgewinne steuerfrei realisiert werden können.


Gerne erläutern wir Ihnen diese und noch weitere Gestaltungsmöglichkeiten persönlich. Bitte sprechen Sie uns an.

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