Künstlersozialkasse: Mehr Kontrollen und Nachzahlungsgefahr

Publiziert am 13.07.2007

Durch eine verstärkte Überprüfung von Unternehmen soll ab 2007 mehr Geld in die Kassen der Künstlersozialkasse (KSK) gespült werden. Das kann besonders für Unternehmen teuer werden, die möglicherweise nicht einmal geahnt haben, dass sie in der Vergangenheit Künstler honoriert haben. Denn als Künstler gelten beispielsweise auch Grafiker, Texter, Web-Designer und Fotografen.

1. Abgabepflicht Künstlersozialkasse

Selbständige Künstler und Publizisten sind über die Künstlersozialkasse gesetzlich kranken- und rentenversichert. Einzahlen müssen zum einen die Künstler selbst, zum anderen die Unternehmen, die sie beauftragen.

Das Problem: Viele Unternehmen wissen nicht, dass einige der von Ihnen eingekauften Leistungen unter „Kunst“ fallen und eine Beitragspflicht in der KSK auslösen. Denn die Beitragspflicht trifft nicht nur klassische Medienunternehmen wie Verlage, Fernseh- und Rundfunkunternehmen, sondern alle Unternehmen, die selbständige Künstler oder Publizisten regelmäßig beschäftigen, ihnen also nicht nur gelegentlich Aufträge erteilen. Sie alle sind abgabepflichtig in der KSK. Sie müssen die Künstlersozialabgabe in Höhe von zur Zeit 5,1 % des Honorars entrichten, das selbständige Künstler und Publizisten von ihnen erhalten.

Abgabepflichtig sind neben den "klassischen" Verwertern beispielsweise auch Unternehmen jeder Art, die:

· externe Grafiker für ihre Werbung beschäftigen.
· Pressetexte oder Artwork erstellen lassen.
· eine Webseite in Auftrag geben und diese regelmäßig updaten lassen.
· Grafiker und Layouter für den Geschäftsbericht, die Firmenpräsentation etc. beauftragen.
· Zahlungen an Fotografen für den Produktkatalog, an Designer für den Messestand-Entwurf, an Übersetzer, an das Kabarett-Ensemble und die Band beim Firmenjubiläum usw. leisten.

2. Prüfungswelle durch die KSK bzw. DRV Anfang Juli 2007

Durch eine gesetzliche Neuregelung ist für die Erfassung von Unternehmen und die Prüfung deren Abgabepflichten nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz nun die Deutsche Rentenversicherung (DRV) zuständig. Damit stehen ab sofort statt einigen wenigen Prüfern bei der KSK nun ca. 3.600 Prüfer bei der DRV zu Verfügung.

Nach Auskunft des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales wird die DRV zur Jahresmitte 2007 beginnen, in einer konzentrierten Aktion (geschätzt 280.000) Unternehmen anzuschreiben und sie zur Meldung der Honorare auffordern.

Dem Schreiben wird ein Erhebungsbogen beigefügt, der innerhalb eines Monats ausgefüllt werden muss. Wer den Bogen nicht rechtzeitig oder nicht vollständig ausgefüllt zurückschickt, erhält Besuch vom Betriebsprüfer. Ergibt der Erhebungsbogen oder die Betriebsprüfung, dass das Unternehmen abgabenpflichtig ist, aber bisher keine Beiträge (Beitrag 2006: 5,5 % auf das Honorar an den "Künstler") abgeführt wurden, droht eine rückwirkende Festsetzung für 5 Jahre.

Vernachlässigt ein Unternehmen seine Melde- und Mitwirkungspflichten drohen nun zudem Bußgelder bis zu 50.000,00 EUR.

3. Prüfung der Versicherten

Aber auch die Pflichten der Versicherten (= Künstler) werden zukünftig noch systematischer geprüft. So soll die Prüfquote deutlich erhöht werden. Dies betrifft insbesondere die Angaben der Versicherten zum Arbeitseinkommen der letzten vier Jahre. Zudem kann die DRV verlangen, dass die Einkommensteuerbescheide oder die Gewinnermittlungen der letzten vier Jahre vorgelegt werden

Zur Aktuelles-Übersicht

Nach oben