Übereinkunft zur Frage der Sozialversicherungspflicht von Film- und Fernsehschauspielern

Publiziert am 14.02.2008

Der Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler e.V. (BFFS) und Bundesverband Deutscher Fernsehproduzenten e.V. (BV) haben zur Frage der Sozialversicherungspflicht von Film- und Fernsehschauspielern gemeinsam Stellung bezogen. Hintergrund ist, dass nach Beurteilung der Verbände die von den Sozialversicherungsträgern in ihrem Besprechungsergebnis vom 16./17.11.1999 formulierte Ansicht einer „Arbeit auf Abruf“ in Bezug auf „Schauspieler mit Drehtagverpflichtung“ so pauschal nicht den tatsächlichen Verhältnissen bzw. den Vereinbarungen in den Schauspielerverträgen entspricht. Die Schauspieler mit Drehtagverpflichtung sind vielmehr in unterschiedlicher zeitlicher Intensität und Verbindlichkeit in die Herstellung von Film- und Fernsehproduktionen eingebunden.

Nach Meinung des BFFS und des BV sind für die Beurteilung der Sozialversicherungpflicht drei Kategorien zu bilden:

a) Erste Kategorie: Schauspieler, die ausschließlich und ständig zur Verfügung stehen:
Schauspieler, die dem Filmhersteller ausschließlich und ständig während der gesamten Drehzeit der Produktion zur Verfügung zu stehen haben (z.B. weil sie – wie etwa Hauptdarsteller – in nahezu jeder Szene mitwirken), sind für diesen gesamten Zeitraum der Drehzeit durchzuversichern.

b) Zweite Kategorie: Schauspieler, die prioritär an den Produzenten gebunden sind:
Schauspieler, die nur an einzelnen Drehtagen mitwirken und dem Filmhersteller darüber hinaus aber auch in drehtagfreien Zeiten prioritär zur Verfügung stehen müssen (z.B. für den Fall der Verschiebung von Drehtagen), sind für die entsprechenden Zeiträume (Drehtage und Zeiten der Prioritätsbindung) durchzuversichern. Folge dieser Kategorie ist z.B., dass der Filmhersteller bezüglich weiterer Engagements des Schauspielers bei dritten Filmherstellern ein Vetorecht hat.

c) Dritte Kategorie: Drehtagsverpflichtete Schauspieler:
Schauspieler, die nur an den Drehtagen zur Verfügung zu stehen haben, im Übrigen aber vor und nach den Drehtagen keiner Prioritäts- oder sonstigen Bindung an den Produzenten unterliegen, sind für die jeweiligen Drehtage zu versichern. Eine Durchversicherung für den Dreh- oder Produktionszeitraum findet deshalb nicht statt.
Merkmal dieser Kategorie ist z.B., dass Drehtage zwischen Schauspieler und Filmhersteller fest vereinbart werden und etwa Verschiebungen derselben nur nach einvernehmlicher Abstimmung zwischen den Parteien möglich sind.

Zudem sind die Verbände der Ansicht, dass neben der eigentlichen Arbeit vor der Kamera auch Zusatz- und Vorbereitungsleistungen durch den Schauspieler erbrecht werden müssen, wie z.B. Rollenfindung, Szenenstudium, Aneignung spezieller Fähigkeiten, Kostümprobe, Maskenprobe, Leseprobe, Szenische Vorprobe, Regiebesprechung, Fotovorproduktion, Spezialtraining, Pressearbeit, Nachsynchronisation, An- und Abreise, Castinghilfe etc.Um zu ermitteln, ob und in welchem Umfang Zusatz- und Vorbereitungsleistungen insgesamt zu einer Erhöhung der Sozialversicherungszeit führen, hat der BFFS ein drehtagbezogenes Modell zur pauschalen Berechnung der Zusatz- und Vorbereitungsleistungsdauer außerhalb der eigentlichen Drehtage entwickelt, das eine formelhafte Berechnung zulässt.

Die Ergebnisse dieser Übereinkunft haben die Verbände den Sozialversicherungsträgern als Vorschlag unterbreitet. Ob diese die Anregungen aufgreifen und damit die bisherige Beurteilungspraxis ändern werden, kann man derzeit noch nicht abschätzen.

Zur Aktuelles-Übersicht

Nach oben